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JANPA-Veranstaltung - Was können wir für Deutschland lernen?

JANPA Veranstaltung

Die Joint Action on Nutrition and Physical Activity (kurz JANPA) verfolgt das Ziel die Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen auf europäischer Ebene, gemeinsam und nachhaltig, zu verbessern. Im Rahmen der Bonner Ernährungstage wurden am 20. September 2017 in einer halbtägigen Veranstaltung erstmals Ergebnisse des europäischen Austauschs auf nationaler Ebene bekannt gemacht und diskutiert.

Seit 2015 arbeiten 26 <abbr title="Europäische Union">EU</abbr>-Länder in JANPA zusammen. Für Deutschland sind das Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE), die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und die <acronym title="Deutsche Gesellschaft für Ernährung">DGE</acronym> <abbr title="eingetragener Verein">e. V.</abbr> von „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ für dieses Vorhaben beauftragt worden.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Beate Kasch vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie Maria Becker der Unterabteilung Prävention aus dem Bundesministerium Gesundheit ( BMG ). Beide bekräftigten die Relevanz der Gesundheitsförderung und Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen und ihren Willen das Thema gemeinschaftlich anzugehen. Im sich anschließenden Impulsvortrag von Prof. Dr. Birgit Babitsch der Universität Osnabrück zum Thema „Prävention von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter-Herausforderungen für die Zukunft“ stellte sie die Evidenzlage zu Einflussfaktoren für die Prävention von Kinderübergewicht dar und gab einen Überblick über die derzeitige Präventionslandschaft mit ihren vielfältigen Maßnahmen und Ansätzen. Um erfolgreiche Präventionsprojekte durchzuführen, sei es notwendig, diese in übergeordnete Gesamtstrategien einzubetten und den Theorie-Praxis-Dialog zu verbessern, betonte Frau Prof. Dr. Babitsch. Darüber hinaus sei es erforderlich, national gemeinsame Kernindikatoren und einheitliche Dokumentationsstandards für Präventionsmaßnahmen festzulegen und eine Interventions-Bibliothek zu erstellen. Hierzu leiste JANPA einen Beitrag, da sowohl für die Prävention und Gesundheitsförderung in Schwangerschaft, Säuglings- und Kleinkindalter als auch in Kita und Schule auf europäischer Ebene Kriterien für eine gute Praxis identifiziert wurden.

Vor diesem Hintergrund wurde der europäische JANPA-Prozess und seine Ergebnisse sowie die deutschen JANPA-Aktivitäten vorgestellt. Die JANPA-Ergebnisse stehen in englischer Sprache auf der Internetseite undefinedwww.janpa.eu zum Download bereit. Das Publikum aus Fachteilnehmern der Sport- und Ernährungswissenschaft sowie der Praxis im Bereich Medizin, Kindesentwicklung und Ernährungsberatung bekamen die Möglichkeit anhand eines Poster-Walks identifizierte Modelle guter Praxis kennenzulernen und anhand von Leitfragen wie „Wie viel Wissenschaft braucht Praxis?“ „Wie werden aus erfolgreichen Modellprojektenflächendeckende Programme?“ darüber zu diskutieren. In angeregter Diskussion wurde dabei betont, dass ein regelmäßiger nationaler Austausch über Modelle guter Praxis und Kriterien für die Prävention von Kinderübergewicht sowie die Vernetzung der Akteure von zentraler Bedeutung sind.

Joint Action on Nutrition and Physical Activity – JANPA

Ein europäisches Gemeinschaftsprojekt mit dem Ziel, den Anstieg von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen bis zum Jahr 2020 zu stoppen

Um das Hauptziel des Gemeinschaftsprojekts Joint Action on Nutrition and Physical Activity zu erreichen, stehen insbesondere Maßnahmen im Vordergrund, die sich auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Kindern beziehen. Durch den internationalen Austausch sowie einer gemeinsamen Identifizierung und Auswahl der besten Daten und Praktiken zur Adipositasprävention bei Kindern und Jugendlichen, leistet JANPA darüber hinaus einen direkten Beitrag zum Opens external link in new windowEU-Aktionsplan Childhood Obesity.

Denn im Rahmen von JANPA wird es möglich sein:  

  • die wirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit Adipositas zu schätzen und zu prognostizieren, 
  • die Durchführung von sog. integrierten Maßnahmen zu verbessern, um gesunde Ernährung und körperliche Bewegung für Schwangere und Familien mit kleinen Kindern zu fördern,   
  • zu gesünderen Schulstrukturen und -umgebungen beizutragen, sowie
  • die Verwendung von nährwertbezogenen Angaben bei Lebensmitteln, durch Gesundheitsbehörden, Interessengruppen und Familien zu erhöhen.   

Adipositas im Europäischen Kontext

Adipöses Kind hört sich mit Stethoskop ab
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In allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) stellt die hohe Übergewichts- und Adipositasrate bei Kindern und Jugendlichen ein Problem dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, dass im Jahr 2010 bereits jedes dritte Kind in der EU im Alter von 6-9 Jahren übergewichtig oder fettleibig war. Dies bedeutet, dass es trotz der zahlreichen Initiativen auf nationaler und regionaler Ebene zu einem starken Anstieg der Prävalenz gekommen ist. Bewegungsmangel und unausgewogene Ernährung (ab dem Zeitpunkt der Geburt aber auch schon im Mutterleib) sind wichtige Determinanten, die Einfluss auf das Adipositasrisiko haben und zu Übergewicht bzw. Fettleibigkeit führen können. Unabhängig davon gelten verschiedene nicht-übertragbare Krankheiten, von denen viele Europäer betroffen sind (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates) als zusätzliche Risikofaktoren. Darüber hinaus können Übergewicht und Adipositas auch enorme psychologische und soziale Folgen für das späteren Leben nach sich ziehen.

Übergewicht und Fettleibigkeit stellen ferner auch eine hohe ökonomische Belastung für die nationalen Gesundheitssysteme dar. Allein 7 % des Europäischen Gesundheitsbudgets werden jährlich für Krankheiten in direktem Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas ausgegeben. Hinzukommen Ausgaben im Zusammenhang mit Produktivitätsausfällen, weiteren gesundheitlichen Problemen und frühzeitigem Tod.

Ein multi-sektoraler Ansatz

Lunchbox mit Brot, einem Apfel und einer Flasche Wasser
©123rf.com

JANPA bietet 25 EU-Mitgliedsstaaten (sowie Norwegen) die einzigartige Gelegenheit effektive und nachhaltige Ansätze in der Adipositasprävention im EU-Kontext zu diskutieren, zu analysieren sowie Chancen und Risiken für eine Implementierung im eigenen Land zu eruieren. Dies wird auch die Verbindungen zwischen den verschiedenen nationalen Ernährungspolitiken stärken und ermöglicht Gesundheitsfragen im Sinne der EU-Strategie für Ernährung, Übergewicht und Adipositas anzugehen.

Übergewichts- und Adipositasprävention erfordert einen multi-sektoralen Ansatz, der sog. „Schlüssel-Sektoren“ miteinbezieht und integrierte Maßnahmen ermöglicht. Klare Gesundheitsziele sind dabei unerlässlich, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Bildung und Eigenverantwortung sind dabei wichtige Bestandteile eines jeden Programms, das darauf abzielt, Übergewicht zu reduzieren. Sie reichen jedoch nicht aus, um die besonderen Umstände sozialer Ungleichheiten hinsichtlich ernährungsbedingter Gesundheitsprobleme zu reduzieren. Ein Lebensphasen umfassender Ansatz ist notwendig, um das Problem anzugehen. Insbesondere da es zunehmend globale Veränderungen in Richtung überwiegend sitzender Tätigkeiten und ungesunder Ernährung gibt.

Die Förderung einer gesunden Ernährung sollte am besten bereits während der Schwangerschaft und Stillzeit beginnen. Doch auch die Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen ist von besonderer Bedeutung, da sie zum einen prägend für das Erwachsenenalter ist und zum anderen grundlegend zur Bildung von Verhalten und Gewohnheiten beiträgt. Die Verbesserung der ernährungsphysiologischen Qualität der Lebensmittel, sowie die Verbesserung der physischen Umwelt ist dabei ebenfalls notwendig, um die gesunde Wahl die einfachere Wahl werden zu lassen und dadurch letztlich ernährungsbedingte Krankheiten zu reduzieren.

Wer ist beteiligt?

25 der 28 EU-Mitgliedsstaaten sind - entweder als Kooperations- oder Verbundspartner - Teil von JANPA. Darüber hinaus ist Norwegen ein zusätzlicher Partner, so dass es im Rahmen von JANPA insgesamt einen Zusammenschluss von 26 Ländern gibt.

Wer sind die Zielgruppen?

Vier Kinder klettern an einer Sprossenwand
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Die Hauptzielgruppen von JANPA sind Entscheidungsträger und Beschäftigte im Gesundheitswesen aber auch Mütter, junge Familien und vor allem Kindergärten und Schulen, die an der Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung von Kindern und Jugendlichen beteiligt sind. Darüber hinaus sollen im Rahmen von JANPA auch weitere Kategorien von Akteuren wie beispielsweise regionale und lokale Behörden, Bildungseinrichtungen, Gesundheitsverbände, Hochschulen, gemeinnützige Organisationen, Bürger, Verbraucherverbände, Jugend- und Sportverbände, Industrie, Dienstleistungsunternehmen sowie die Medien erreicht werden.

Arbeitsstruktur

JANPA ist untergliedert in 7 Arbeitspakete (engl. Workpackages, kurz: WP):

WP1 Koordination. Verantwortlich für den Erfolg der gemeinsamen Aktion durch ein effizientes Management und die Koordination der verschiedenen WPs.

WP2 Dissemination. Förderung der Ziele und Tätigkeiten durch eine Verbreitung der Aktivitäten und Ergebnisse der gemeinsamen Aktion.

WP3 – Evaluation. Verantwortlich für die Evaluation des gesamten Projekts, Überprüfung der Erfüllung der Ziele sowie deren Auswirkungen und Ergebnisse.

WP4 – Evidenzen und wirtschaftliche Beweggründe für Maßnahmen zur Fettleibigkeit bei Kindern. Zuständig für die Erarbeitung evidenzbasierter, wirtschaftlicher Beweggründe für Maßnahmen zur Fettleibigkeit bei Kindern.

WP5 – Ernährungsinformation. Zusammenstellung von „Best Practice“ - Ansätzen zur Deklaration und Verwendung von Nährwertangaben auf Lebensmitteln und im Ernährungskontext sowie Ableitung von Maßnahmen für verschiedene Interessensgruppen.

WP6 – Gesunde Umgebungsstrukturen durch integrierte Ansätze. Entwicklung von Leitlinien für eine Maßnahmengestaltung zur Schaffung gesunder Umgebungsstrukturen in Kindergärten und Schulen.

WP7 – Frühkindliche Interventionen. Verbesserung der Qualität öffentlicher Maßnahmen und Interventionen durch die Zusammenstellung effizienter Maßnahmen im Zusammenhang von Schwangerschaft und Familien mit kleinen Kindern.

Beteiligung der DGE

DGE-Logo

Deutschland wird im Rahmen von WP6 durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (kurz: DGE, Referat Gemeinschaftsverpflegung und Qualitätssicherung) in Kooperation mit dem Institut für Sportwissenschaft und Sport der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vertreten.

JANPA ist am 1. September 2015 mit einer Projektlaufzeit von 27 Monaten gestartet.

undefinedMehr zur Arbeit der DGE im EU-Projekt