Position:

Wie sieht die Arbeit der DGE im EU-Projekt JANPA aus?

Hüpfende Kinder
©123rf.com

Viele Kinder wachsen heute in einer Umgebung auf, die Übergewicht und Adipositas fördert. Das Kita- und Schulumfeld ist entscheidend für die Entwicklung der Kinder und sollte frei von ernährungs- und umweltbezogenen Risikofaktoren sein. Interventionen, die ein unterstützendes Umfeld schaffen, können Kindern helfen ein gesundheitsförderndes Verhalten zu entwickeln.

Der Austausch bewährter Strategien, Projekte und Aktivitäten wurde von der Europäischen Kommission als ein Ansatz zur Prävention chronischer Krankheiten identifiziert. Für die Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern sind verschiedene politische Sektoren relevant, darunter der Gesundheits- und Bildungssektor, die Landwirtschaft sowie die Verkehrs- und Städteplanung. Eine Analyse der unterschiedlichen Sektoren, Strategien und Projekte in den WP6-Partnerländern sowie deren Kapazitäten und Ressourcen zeigt Faktoren auf, die die Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen beeinflussen.

In der Arbeitsgruppe wurde dazu ein Verfahren entwickelt, um nationale bewährte Projekte und politische Ansätze zu sammeln und zu beurteilen. Alle assoziierten Partnerländer des WP6 schickten Beispiele guter Praxis und so wurden 37 Projekte und politische Programme zur Übergewichtsprävention in Kindergärten und Schulen von 15 Ländern eingereicht. Die Mehrheit der Interventionen waren Projekte auf nationaler Ebene, 40% der Maßnahmen umfassten sowohl Aktivitäten zu Ernährung als auch zu Bewegung. Daneben wurden eine Online-Befragung sowie Interviews mit zentralen politischen Entscheidungsträgern durchgeführt.

Kapazitäten für die Prävention von Übergewicht bei Kindern – Erste Ergebnisse der Online-Befragung

Fragezeichen

Vom 13. bis 16. Juni 2016 wurden in einer Online-Befragung zentrale Stakeholder aus den Sektoren Ernährung, Gesundheit, Sport und Bildung befragt. Diese Befragung verfolgte das Ziel hemmende und fördernde Faktoren für die Prävention von Übergewicht bei Kindern sowie die dafür zur Verfügung stehenden Kapazitäten zu erfassen. Um alle relevanten politischen Sektoren abzudecken, wurden die Stakeholder mit Hilfe einer Stichprobenmatrix ausgewählt. Insgesamt wurden so in 12 EU-Mitgliedstaaten 187 Fragebögen ausgefüllt. Die Befragung wurde von der FAU ausgewertet.

Die Stakeholder, die an der Befragung teilnahmen, sind überwiegend auf der nationalen Ebene aktiv (115) und vertreten öffentliche Einrichtungen (47), Ministerien (23), Universitäten (22) oder wissenschaftliche Organisationen (17). Sie repräsentieren dabei die Sektoren Gesundheit (121), Bildung (102), Ernährung (80) und Sport & Bewegung (58).

Die meisten Stakeholder stimmen zu, dass Übergewicht bei Kindern ein ernstes Problem in ihrem Land ist (69%). Auf die Frage, was sie als größte Barrieren für die Übergewichtsprävention bei Kindern wahrnehmen, nannten die Stakeholder die kommerzielle Vermarktung von Lebensmitteln, gefolgt von der mangelnden öffentlichen Finanzierung und dem Fehlen der elterlichen Unterstützung. Als fördernde Faktoren wurden hingegen eine bewegungsfreundliche Umgebung, die Unterstützung der Eltern und die Beschränkung des Lebensmittelmarketings in Schulen bewertet. Bemerkenswert ist, dass für Stakeholder aus jedem politischen Sektor eine bewegungsfreundliche Umgebung jeweils die höchste Relevanz hatte.

Um die organisatorischen Kapazitäten für die Prävention von Adipositas bei Kindern abzubilden, wurde das ADEPT-Modell als theoretisches Rahmenkonzept verwendet (Rütten et al 2011). Die Ergebnisse zeigen, dass die Betroffenen spezifische Ziele in Bezug auf die Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern haben, sich für dieses Thema verantwortlich fühlen und Möglichkeiten zur Steigerung ihres Engagements sehen. Allerdings weisen sie darauf hin, dass hierfür auf allen Ebenen, aber vor allem auf lokaler, personelle und finanzielle Ressourcen fehlen.

Daneben zeigen die Ergebnisse, dass integrierte Ansätze, die verschiedene Aspekte von Übergewicht bei Kindern berücksichtigen und Akteure aus verschiedenen Sektoren einbeziehen, bisher selten im Rahmen der Übergewichtsprävention genutzt werden. Dennoch stimmen die Stakeholder darin überein, dass integrierte Ansätze ein großes Potential zu einer weiteren Verbreitung besitzen.

Weitere Ergebnisse der Stakeholder-Umfrage sowie die Ergebnisse der Interviews mit den zentralen politischen Entscheidungsträgern werden im Sommer 2017 in einem Leitfaden auf der Website www.janpa.eu veröffentlicht.