Position:

Qualitätsoffensive beim Schulessen - GHS Schwalbenohl

Nach erfolgreich bestandener Schule + Essen = Note 1-Zertifizierung zeichnete die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) Ende September 2011 die Gemeinschaftshauptschule Schwalbenohl (GHS) in Attendorn für ihr Angebot einer vollwertigen Mittagsverpflegung aus. Verliehen wird das Logoschild an Schulen, die die Kriterien des „DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung“ erfüllen. Über die Hintergründe und die Motivation der Ganztagsschule eine ausgewogene und schmackhafte Mittagsverpflegung anzubieten, sprach Sarah Leinweber, Mitarbeiterin bei „Schule + Essen = Note 1“ der DGE, mit Schulleiterin Marion Schmidt-Wrobel.

Schulleiterin Marion Schmidt-Wrobel
Quelle: Schule + Essen = Note 1

Frage: Wie viele Schülerinnen und Schüler besuchen die GHS Schwalbenohl?

Marion Schmidt-Wrobel: Insgesamt besuchen 375 Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und 16 bzw.17 Jahren die GHS. Sie teilen sich in 17 Klassen zwischen dem fünften bis zehnten Jahrgang auf. Jede Klasse hat an mindestens vier Nachmittagen pro Woche Unterricht und Schülerinnen und Schüler verbringen aus diesem Grund einen Großteil der Zeit in der Schule. Das Angebot einer Mittagsmahlzeit ist für uns als Ganztagsschule verpflichtend. Vier Menülinien stehen von Montag bis Donnerstag zur Auswahl, freitags sind es zwei. Täglich sind es rund
150 Mädchen und Jungen aus verschiedenen Jahrgängen, die das Speisenangebot nutzen.
Die Teilnahme am Mittagessen ist nicht verpflichtend – wie an manch anderen Ganztagsschulen – sondern erfolgt auf freiwilliger Basis.

Frage: Was war Ihre Motivation die Schule + Essen = Note 1-Zertifizierung durchzuführen?

Marion Schmidt-Wrobel: Entschieden haben wir uns für die Schule + Essen = Note 1-Zertifizierung aus zwei Gründen. Zum einen wollten wir als „Gesunde Schule“ einen Schwerpunkt im Bereich gesundheitsfördernde Schulverpflegung setzen – neben dem Sportangebot und einem guten Lern- und Schulklima. Für mich steht im Vordergrund, Schülerinnen und Schüler ausgewogen zu ernähren und so eine wichtige Lernvoraussetzung zu schaffen.

Zum anderen ist mir wichtig, Eltern zu versichern, dass ihr Kind bei uns gut aufgehoben ist. In punkto Schulverpflegung haben wir das durch die Zertifizierung erreicht. Im Bereich Pädagogik haben wir unterschiedliche Programme.

Das Mensateam Karola Maraun, Ursula Heggemann, Susi Zimmer
Quelle: Schule + Essen = Note 1

Frage: Und was sagte Ihr Mensateam zu dem Vorhaben Zertifizierung?

Marion Schmidt-Wrobel: Im Grunde genommen verlief der Prozess bei uns zeitgleich. Von Beginn haben wir uns regelmäßig zusammengesetzt und die Umsetzung unserer Vorstellungen  einer gesunden Schulverpflegung gemeinsam geplant. Wir legten und legen sehr viel Wert darauf, der Schülerschaft nicht wöchentlich oder sogar öfter „Pizza, Pasta und Burger“ anzubieten.

Beim Mensateam stand im Vordergrund zu zeigen, dass es gelingen kann Schülerinnen und Schüler an ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Mittagessen zu gewöhnen, das akzeptiert wird.

Als die Presse im November 2010 vermehrt über „schlechte Noten“ für Schulessen berichtete, war uns klar, dass wir sofort in den Zertifizierungsprozess einsteigen. Wir wollten deutlich machen, dass diese Aussagen auf unsere Schule nicht zutreffen. Jetzt haben wir nach außen demonstriert, dass wir eine ausgewogene Schulverpflegung anbieten. Eine gute Möglichkeit dafür ist die Schule + Essen = Note 1-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Die Qualität der Schulverpflegung kontinuierlich weiter zu verbessern ist nach wie vor unser Ziel.

Frage: Mit der Schule + Essen = Note 1-Zertifizierung erfüllen Sie nun die Anforderungen aus den Qualitätsbereichen Lebensmittel, Speisenplanung und -herstellung sowie Lebenswelt.
Gab es bestimmte Kriterien, die Sie vor eine ganz besondere Herausforderung gestellt haben?

Marion Schmidt-Wrobel: Die Zertifizierung und die damit verbundene Qualitätsverbesserung ist ein Prozess, der je nach Ausgangslage kurzfristig oder langfristig erreicht wird. In Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen fällt es an der einen oder anderen Stelle leichter die Kriterien umzusetzen. Während der Vorbereitungen auf das Audit hat uns Ernährungsberaterin Corinna Wiffel regelmäßig unterstützt und uns Tipps für die Praxis gegeben. Darüber hinaus gab es eine hilfreiche Schulung vom Team „Schule + Essen = Note 1“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Hinzu kommt, dass das Ziel, eine bestmögliche Qualität zu erreichen, nicht unbedingt mit der Zertifizierung abgeschlossen ist. Beispielsweise arbeiten wir gerade daran, die Lautstärke in unserer Mensa zu reduzieren.

An der Ausgabe hilft den Schülerinnen und Schülern freundliches, kompetentes Küchenpersonal.
Quelle: Schule + Essen = Note 1

Frage: Wie ist die GHS-Mensa organisiert?

Marion Schmidt-Wrobel: Wir führen die Cafeteria in Eigenregie. Das Mensateam ergänzt die vom Speisenanbieter gelieferten Komponenten mit Salat, Obst, Nachspeisen und diversen Suppen. Diese werden täglich frisch zubereitet. Jede Schülerin und jeder Schüler besitzt ein eigenes Essenskonto, auf dem die Eltern Geld einzahlen. Bestellt wird das Mittagessen über einen personalisierten Chip an einem elektronischen Terminal im Eingangsbereich der Schule oder zu Hause über das Internet. Das Essen kann bis spätestens zehn Uhr ausgewählt, um- oder abbestellt werden. Direkt vor der Ausgabe gibt es ein zweites Terminal, das ebenfalls mit Hilfe des Chips bedient wird. Es zeigt den Kindern und Jugendlichen welches Gericht sie für diesen Tag ausgewählt haben und bucht die Kosten von dem personalisierten Konto ab.

Alle Essensgäste haben zwar gleich lange Pausenzeiten, die Ausgabe erfolgt aber gestaffelt nach Jahrgängen. Der erste Teil der Mittagspause ist für die Jahrgänge fünf und sechs reserviert, ab der siebten Klasse kommen sie zum zweiten Teil der Mittagspause. Nach der Essensausgabe setzen sich die Schülerinnen und Schüler an ihre fest zugeteilten Tischreihen. Dabei haben die Jahrgänge fünf und sechs reservierte Essensplätze. Ab der siebten Klasse können sie ihren Platz frei wählen. Bewährt hat sich ein „Mensa-Einführungskurs“ für Schülerinnen und Schüler, die nach der Grundschule zu uns wechseln.

Frage: Und wie können Kinder oder Jugendliche mit Lebensmittelallergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten am Mittagessen teilnehmen?

Marion Schmidt-Wrobel: An unserer Schule sind zwei Kinder, die eine Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit haben. Sie bestellen ihr Essen wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler auch über das Bestellsystem. Das Mensateam kontrolliert die ausgewählte Mahlzeit anhand der Zutatenliste auf das Allergen oder auf das die Unverträglichkeit auslösende Lebensmittel. Stellen Sie fest, dass der allergene Stoff bzw. das Lebensmittel enthalten ist, wird die Mahlzeitenkomponente gegen eine andere ausgetauscht.

Die Logoübergabe fand in der Mensa der GHS statt.
Quelle: Schule + Essen = Note 1

Frage: Und wie geht es nach dem erfolgreich bestandenen Audit weiter?

Marion Schmidt-Wrobel: Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Qualität weiter zu verbessern und attraktiv zu halten. So führten wir im laufenden Schuljahr eine Befragung zu unserem Essensangebot durch. Ziel ist, Schülerinnen und Schüler einzubeziehen und ihre Essenswünsche zu berücksichtigen. Ein Ergebnis ist beispielsweise eine sogenannte „Internationale Woche“ durchzuführen, in der traditionelle Gerichte aus dem Heimatland von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund angeboten werden. Besonders gelobt wurde das freundliche Ausgabepersonal. Für unsere Schülerinnen und Schüler ist es sehr wichtig, an der Ausgabe aufgeschlossene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu treffen.

 

Frau Schmidt-Wrobel, vielen Dank für das Gespräch. Das Gespräch führte Sarah Leinweber, Mitarbeiterin „Schule + Essen = Note 1“