Freitag, 22.05. 2020
Neuer Beitrag

Schulverpflegung in Corona-Zeiten

Jetzt wird es noch wichtiger, verbindliche Zusagen zur Teilnahme in den Mensen zu erhalten.

Thomas Reinelt © RoBI

Die Auswirkungen der Corona Krise treffen Schulcaterer in voller Breite: Der Umsatz ist größtenteils eingebrochen, es ist ungewiss, wann und ob sich diese Teilbranche jemals wieder davon komplett erholen kann, wenn die Lage weiterhin unsicher bleibt.
Zu den Betroffenen zählt auch Thomas Reinelt von der RoBi GmbH aus dem Bonner Raum. Im Interview schildert der Betriebsleiter seine Lage:

Wie stellt sich die Lage durch die Covid-19-Pandemie dar?

Für uns ist es katastrophal – die Küche steht nahezu still, es gibt lediglich eine minimale Notversorgung über unser Bistro. Darüber verteilen wir nur noch bis zu 20 Mahlzeiten an Interessierte im Umfeld – zuvor waren es in den Schulen in der Spitze 4.000 Mittagsmahlzeiten und über die Schulkioske Snacks und Getränke mit ca. 4.000 Kaufimpulsen je Öffnungstag. Mit anderen Worten: Wir stehen vor einem Komplettverlust.
Die Lage ist außerdem weiterhin unübersichtlich, denn die Informationen verschiedener Akteure im Schulbereich kommen zögerlich und verzögert, es ist nicht klar, wer wofür zuständig ist, wenn es jetzt um die stufenweise Öffnung der Schulen geht.

Wie gehen Sie mit der Situation um?
Wir arbeiten daran, die Ausgabesituation so zu verändern, dass sie den neuen Hygiene-Regeln entspricht. Viele Eltern wollen aber ihre Schüler noch gar nicht in die Mensa schicken. Verschiedene Schulleitungen haben uns gegenüber geäußert, dass bis Sommer keine Mahlzeiten ausgegeben werden sollen.
In der Gastronomie ist wenigstens noch die Sommerzeit ein kleiner Silberstreifen am Horizont. Bei uns sind dann Schulferien – alles steht wieder still.

Denken Sie über neue Betätigungsfelder nach?
Das ist schwierig – wir sehen, dass es in allen Richtungen stockt. Wieviel Lebensmittel sollen wir beschaffen, wenn nicht klar ist, wie viele Schüler an Mahlzeiten teilnehmen? Unsere Lieferer bestellen z. T. nicht, weil es unklar ist, ob sie die Lebensmittel rechtzeitig verkaufen können, bevor sie verderben.

Wie bereiten Sie sich auf die Zukunft mit neuen Hygiene-Regeln vor?
Wir wollen unser System der Vorbestellung noch stärker vereinfachen, damit man die Mahlzeiten selbst kontaktlos abholen kann.
Wir hatten vor der Corona-Zeit einen guten Stand. In den Mensen konnten unsere Schüler immer auch ihre Wünsche angeben. Wir haben sie dann als DGE-zertifizierter Catering-Betrieb nach den Kriterien des DGE-Qualitätsstandard weiterentwickelt und beliebte Speisen mit gesunden Beilagen kombiniert. So ist das Sellerieschnitzel entstanden - mittlerweile ein Gericht, wofür sich einige sogar beim Küchenpersonal nach dem Essen bedanken.
Wir wollen ja, dass das Gesundheitsfördernde schmackhaft gemacht wird.

Zur Einführung in die 5. Klasse machen wir dazu immer einen Family lunch: Kinder kommen dann mit Eltern. Jetzt wird es noch wichtiger, verbindliche Zusagen zur Teilnahme in den Mensen zu erhalten.
Denn ob die Kinder die Mahlzeiten annehmen, hängt nicht nur vom Geschmack ab, wie wir in unseren jährlichen Nutzer-Umfragen herausgefunden haben. Ganz oben auf der Liste stand zum Beispiel als Grund für die Ablehnung: „Größere stupsen die Kleineren weg“ und „die Freunde gehen nicht mit“.
Deshalb müssen wir auf die Eltern eingehen, damit sie ihre Kinder darauf einstimmen, in die Schulmensa zu gehen, statt teilweise unerlaubt das Schulgelände zu verlassen und bei Discountern und Imbissen Fastfood und Süßigkeiten zu kaufen.