Donnerstag, 27.11. 2025
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Kostenloses Kita- und Schulessen in Brasilien für 40 Millionen Kinder

Die School Meals Coalition stellt regelmäßig Praxisbeispiele seiner Mitgliedsstaaten vor, um bewährte Verfahren zur Schulverpflegung aufzuzeigen. Mit Brasilien präsentiert sich ein Land, das seit Jahrzehnten eines der weltweit größten kostenlosen Schulverpflegungsprogramme durchführt.

© iStock/SDI Productions

Brasilien gehört zu den Ländern mit höherem mittlerem Einkommen und ist mit 26 Bundesstaaten plus Bundesdistrikt föderal organisiert. Die vielfältige und etwa 213 Millionen Menschen zählende Bevölkerung identifiziert sich selbst überwiegend als braun (44 %), weiß (43 %) oder schwarz (9 %).


Ernährungsunsicherheit

Wie in vielen Ländern weltweit hat sich auch in Brasilien Ernährungsunsicherheit während und nach der COVID-19-Pandemie insbesondere bei einkommensschwachen Familien verstärkt. Neuere Erhebungen zeigen, dass etwa 37 % der Haushalte mit Kindern im Alter von 0 bis 17 Jahren betroffen sind. Für Deutschland nennt die im 15. DGE-Ernährungsbericht veröffentlichte MEGA_kids-Studie, dass knapp 15 % der Bevölkerung armutsgefährdet ist, darunter insbesondere Kinder und Jugendliche, Alleinerziehende und Familien mit drei und mehr Kindern. Fast ein Viertel dieser Haushalte kämpft mit moderater oder starker Ernährungsunsicherheit.


Schulessen in Brasilien: Seit 1955 kostenlos

Das nationale Schulverpflegungsprogramm wurde 1955 auf Bundesebene implementiert und umfasst alle Bildungsbereiche beginnend bei früher Bildung in Kindergarten und Vorschule bis zu Grund-, weiterführenden und berufsbildenden Schulen. Zunächst zielte das Programm als nationale Strategie insbesondere auf die Bekämpfung von Ernährungsunsicherheit ab, heute sind Gesundheitsförderung und die Bekämpfung von Fehl- und Mangelernährung weitere Zielsetzungen. Das im Bundesbildungsministerium angesiedelte Programm wurde mehrfach ausgebaut, u. a. wurden 1990 ernährungsphysiologische Qualitätsstandards verpflichtend. Diese sehen auch den Einsatz von ökologisch produzierten Lebensmitteln vor, zudem ist ein landesweites Monitoring vorgeschrieben. Mit dem Erlass eines Schulernährungsgesetzes wurde 2009 ein rechtlicher Rahmen für das Programm geschaffen, mit dem kostenlose Kita- und Schulmahlzeiten als ein universelles Recht für alle Kinder in öffentlichen Einrichtungen gelten.


Good Practice: Lessons learned

Das Praxisbeispiel des nationalen Schulernährungsprogramms (PNAE) wurde von Wissenschaftler*innen der Fakultät für öffentliche Gesundheit der Universität São Paulo aufbereitet. Die Fachleute sehen durch das Programm einen Gewinn weit über die reine Versorgung hinaus. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen sie die Verringerung von Ernährungsunsicherheit, eine Verbesserung der Kinder- und Jugendgesundheit (u.a. höherer Verzehr von Obst und Gemüse, geringerer Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel) sowie eine Entwicklung gesunder Ernährungsgewohnheiten. Positive Auswirkungen zeigen sich auch in verbesserten schulischen Leistungen und geringeren Abbruchquoten. Das Programm stärkt darüber hinaus die regionale Landwirtschaft und fördert die sozioökonomische Entwicklung. Insgesamt sehen sie das Programm als eine grundlegende Strategie zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die Einbindung von Förderprogrammen in Gesetze sichert nach Auffassung von Fachleuten das langfristige Fortbestehen, auch z. B. bei Regierungswechseln. Die gleichen Ergebnisse sollen auch mit der verbindlichen Anwendung der DGE-Qualitätsstandards zur Verpflegung in Kitas und Schulen erzielt werden.


Online-Austausch unter Beteiligung des PNAE

Am 25.11. gibt es einen binationalen Austausch zwischen Experten der Ernährungssicherheit, Ernährung und Politik aus Brasilien und Deutschland unter Beteiligung des nationalen Schulernährungsprogramms (PNAE). Diese Online-Veranstaltung  ist Teil der Initiative „Globale Allianz gegen Hunger und Armut“ die Brasilien während seiner G20-Präsidentschaft angestoßen hat. 


Quelle: https://www.gemeinsamgutessen.de/service/aktuelles/schulessen-in-brasilien-kostenlos-fuer-40-millionen-kinder